Der Darm in der Menopause

20. Januar 2026
Der Darm ist tatsächlich ein wichtiges Ziel für Östrogen, auch wenn das oft übersehen wird:
Östrogenrezeptoren im Darm: Beide Östrogenrezeptoren (ERα und ERβ) finden sich in der Darmschleimhaut. ERβ ist dort besonders reichlich vorhanden. Östrogen beeinflusst dadurch die Darmfunktion auf mehreren Ebenen.

Die Darm-Östrogen-Achse ist bidirektional: Östrogen beeinflusst den Darm, aber der Darmzustand beeinflusst auch, wie viel Östrogen im Körper zirkuliert und wirksam ist.

Darmmotilität: Östrogen verlangsamt die Darmbewegung. Das erklärt, warum viele Frauen vor der Menstruation (wenn Östrogen hoch ist) eher zu Verstopfung neigen, während sie während der Periode (niedriges Östrogen, hohes Prostaglandin) eher Durchfall haben. Diese Verlangsamung geschieht durch Beeinflussung der glatten Muskulatur und des enterischen Nervensystems.

Darmbarriere: Östrogen stärkt die Integrität der Darmschleimhaut - die Barriere, die verhindert, dass unerwünschte Substanzen oder Bakterien in den Blutkreislauf gelangen. Es fördert die Produktion von Tight-Junction-Proteinen, die die Darmzellen fest zusammenhalten, und unterstützt die Schleimproduktion, die als Schutzschicht dient.

Mikrobiom: Hier wird es besonders interessant - es gibt eine bidirektionale Beziehung zwischen Östrogen und den Darmbakterien. Bestimmte Darmbakterien produzieren ein Enzym namens Beta-Glucuronidase, das deaktiviertes Östrogen wieder aktivieren kann. Diese Bakterien werden manchmal als "Estrobolom" bezeichnet. Ein gesundes Mikrobiom hilft, den Östrogenspiegel im Gleichgewicht zu halten.

Immunsystem im Darm: Etwa 70% des Immunsystems sitzt im Darm. Östrogen moduliert die Immunantwort dort - es kann entzündungshemmend wirken und beeinflusst, welche Immunzellen aktiviert werden.

Nährstoffaufnahme: Östrogen verbessert die Kalziumaufnahme im Darm, was wiederum wichtig für die Knochengesundheit ist.

Gallensäuren: Östrogen beeinflusst den Gallensäurestoffwechsel, was sich auf die Fettverdauung und das Darmmikrobiom auswirkt.

Reizdarmsyndrom: Frauen leiden häufiger unter Reizdarmsyndrom als Männer, und viele berichten von zyklischen Schwankungen ihrer Symptome - ein deutlicher Hinweis auf die Rolle der Sexualhormone, besonders Östrogen.