Herzgesundheit in der Menopause

20. Januar 2026
Östrogen ist ein Hauptgeschlechtshormon mit vielfältigen Wirkungen im gesamten Körper. Es wirkt schützend auf die Blutgefäße, beeinflusst den Cholesterinspiegel positiv (erhöht HDL, senkt LDL) und trägt zur Elastizität der Gefäßwände bei. 

Das Östrogen wirkt wie ein natürlicher Blutdrucksenker über multiple Mechanismen - sein Verlust in der Menopause ist ein Hauptgrund, warum Frauen dann ihr kardiovaskuläres Schutzschild verlieren.

Geschlechtsunterschiede: Vor der Menopause haben Frauen deutlich niedrigere Blutdruckwerte und ein geringeres Hypertonie-Risiko als gleichaltrige Männer. Nach der Menopause kehrt sich das um - Frauen holen auf und haben sogar oft höhere Werte als Männer. Das ist ein starker Hinweis auf die protektive Östrogenwirkung.
Gefäßerweiterung: Östrogen stimuliert die Produktion von Stickstoffmonoxid (NO) in den Gefäßwänden. NO ist einer der stärksten körpereigenen Gefäßerweiterer - es entspannt die glatte Muskulatur in den Arterienwänden und senkt dadurch den Widerstand und den Blutdruck. Ohne Östrogen nach der Menopause sinkt die NO-Produktion, die Gefäße werden steifer.
Gefäßsteifigkeit: Östrogen erhält die Elastizität der Arterienwände durch mehrere Mechanismen: Es fördert die Kollagen- und Elastinproduktion in den richtigen Verhältnissen, hemmt die übermäßige Ablagerung von Kalzium in den Gefäßwänden und reduziert oxidativen Stress, der die Gefäße schädigt. Nach der Menopause steigt die arterielle Steifigkeit dramatisch an.
Sympathisches Nervensystem: Östrogen dämpft die Aktivität des sympathischen Nervensystems, das über Adrenalin und Noradrenalin den Blutdruck erhöht. Postmenopausale Frauen zeigen oft eine erhöhte sympathische Aktivität.
Nierenfunktion: Östrogen beeinflusst die Natriumausscheidung der Niere. Es fördert tendenziell eine ausgeglichene Salzbalance und verhindert übermäßige Natriumretention, die den Blutdruck erhöhen würde.
Entzündung: Chronische niedriggradige Entzündung trägt zu Bluthochdruck bei. Östrogen wirkt entzündungshemmend in den Gefäßwänden, reduziert die Infiltration von Immunzellen und die Produktion proinflammatorischer Zytokine.
Endothelfunktion: Das Endothel ist die innere Auskleidung der Blutgefäße und entscheidend für die Gefäßgesundheit. Östrogen schützt die Endothelfunktion und verhindert endotheliale Dysfunktion - einen frühen Schritt in der Entwicklung von Bluthochdruck und Atherosklerose.
Insulin-Sensitivität: Östrogen verbessert die Insulinsensitivität. Insulinresistenz ist oft mit Bluthochdruck assoziiert (metabolisches Syndrom). Nach der Menopause steigt die Insulinresistenz, was auch zum Blutdruckanstieg beiträgt.
Bauchfett: Östrogen beeinflusst die Fettverteilung. Vor der Menopause lagern Frauen Fett eher an Hüften und Oberschenkeln (gynoid). Nach der Menopause verschiebt sich die Verteilung zu viszeralem Bauchfett (android) - genau die Art von Fett, die stark mit Bluthochdruck und kardiovaskulären Erkrankungen assoziiert ist.
Aldosteron: Östrogen kann die Aldosteronwirkung abschwächen. Aldosteron fördert Natriumretention und Kaliumausscheidung, was den Blutdruck erhöht. Die dämpfende Wirkung von Östrogen fehlt nach der Menopause.

Praktische Bedeutung: Für Frauen nach der Menopause bedeutet der Wegfall des Östrogeneffekts, dass Blutdruckkontrollen wichtiger werden. Lebensstilfaktoren (Bewegung, Salzreduktion, Gewichtskontrolle, Stressmanagement) werden noch bedeutsamer.